Die Stabsstelle ist mit der Lehre am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verbunden.
Lehre und Qualifikationsarbeiten

Aktuelle Arbeiten
- Claudia Weiß: Alchemie und Pietismus. Alchemische Praxis am Halleschen Waisenhaus im 18. Jahrhundert (Dissertation)
Im Zentrum des Projekts steht die Bestimmung des Verhältnisses von pietistischer Religiosität und alchemischen Praktiken sowie theoretischen Übernahmen aus der spekulativen Alchemie am Halleschen Waisenhaus im 18. Jahrhundert. Eine Kernthese ist dabei, dass die dort praktizierte Pharmazie und Medizin enger als bisher angenommen mit der medizinischen Alchemie der Frühen Neuzeit verbunden waren.
Die Qualifikationsarbeit entsteht im Rahmen des Forschungsprojekts »Alchemie und Pietismus«, welches im April 2023 an der Stabsstelle Forschung der Franckeschen Stiftungen anlief. Ziel des Projekts ist es, das umfangreiche pharmaziehistorische Quellenkorpus in Archiv und Bibliothek der Franckeschen Stiftungen – insbesondere die zahlreich überlieferten Laborberichte und alchemischen Manuskripte – erstmals einer eingehenden wissensgeschichtlichen Analyse bezüglich der alchemischen Praxis und argumentativen Einbettung in den Pietismus zu unterziehen.

Steven Reinhardt: Language, Mediation, and Colonial Encounters: Schawrirajen, Tamil employee of the Danish-English-Halle Mission (Dissertation, gefördert durch die Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalt)
This dissertation project reconstructs the life and career of Schawrirajen (1755–1817), a Tamil employee of the Danish-English-Halle Mission (1706–1845) in Tranquebar, South India. It traces his trajectory from his family’s conversion, through his education and teaching activities within Christoph Samuel John’s (1747–1813) educational experiments, to his subsequent roles as town catechist and judge within the mission’s judicial structures.
The study focuses on how Schawrirajen’s proficiency in German made him a key and increasingly indispensable figure within the increasingly fragile structures of the mission. His extensive German-language diaries (over 500 manuscript pages) and missionary accounts enable analysis of his role as a multilingual, intercultural and religious intermediary in the colonial contact zone of Tranquebar.
David Loeblich: Vom Freitisch in die Welt? Lebenswege, Netzwerke und Praktiken der Reich-Gottes-Arbeit der Freitischler des Halleschen Waisenhauses 1696–1730 (Dissertation)
Das Dissertationsprojekt untersucht das studentische Freitischwesen an den Franckeschen Stiftungen in den ersten drei Jahrzehnten nach der Gründung der halleschen Universität. Die Arbeit analysiert die vielfältigen Quellen dieser Institution, von Lebensläufen bis zu Tischlisten, hinsichtlich ihrer Genese und frühen Rezeption. Auf prosopographischer Grundlage werden die Lebenswege der Freitischler vor ihrem Eintritt und danach sowie die Vermittlungspraxis an den Freitisch rekonstruiert. Ebenso erfolgt eine Untersuchung der Vergemeinschaftung am Freitisch im Sinne der Reich-Gottes-Arbeit mit der Ausbildung von Netzwerken, die auch über die Zeit in Halle Fortbestand hatten. Wichtige Kontexte bilden dabei auch die Bedeutung des Freitischwesens für Universität, Theologenausbildung und Pfarrstellenbesetzung in Preußen und anderen Territorien.
- Gabriele Bellinzona: Die dänisch-englisch-hallesche Mission in Tranquebar und ihre Beziehung zum Katholizismus und den anderen christlichen Konfessionen (Dissertation)
Gabriele Bellinzona untersucht in seinem Dissertationsprojekt (Graduiertenkolleg Interkonfessionalität in der Frühen Neuzeit, Universität Hamburg) die interkonfessionelle Beziehung der lutherisch-pietistischen Mission in Tranquebar und in anderen Missionsstationen zu den anderen christlichen Konfessionen, die im 18. und 19. Jahrhundert ebenfalls in Südindien aktiv waren, d.h. zur römisch-katholischen und armenischen apostolischen Kirche sowie zu den Thomaschristen. Die frühesten dokumentierten Hinweise auf wechselseitige Beziehungen von Protestanten und anderen Christen finden sich in den Briefen eines der ersten Missionare, Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719). Von weitreichender Bedeutung für dieses Thema sind auch die Berichte aus der Tranquebarmission, die in den Halleschen Berichten (1710–1772), der ersten protestantischen Missionszeitschrift, und in den Neuen Halleschen Berichten (1776–1848) veröffentlicht wurden. Die Halleschen Berichte umfassen aufschlussreiche Informationen über Kirchen anderer Konfessionen und Traditionen. Daneben zählen die Briefe und internen Dokumente der verschiedenen Orden angehörenden katholischen Missionare zu den Kernbeständen an Quellen, mit denen sich das Projekt befasst.

- Anna Diagileva: Alltag, Netzwerke, Handlungsräume. Die halleschen Pietisten in St. Petersburg (1710–1751) (Masterarbeit)
Abgeschlossene Arbeiten
- Emma Piel: Berichte pietistischer Pfarrer aus Nordamerika. Zur Redaktionspraxis der Halleschen Nachrichten 1745/46 (BA-Arbeit)
- Yannick Ludwig Posner: Heinrich Wilhelm Ludolf (1655–1712): „Will and Testament“ (BA-Arbeit)
- David Loeblich: Das frühe Freitischwesen am Halleschen Waisenhaus (1696–1714) (Masterarbeit)
- Michael Rocher: Zwei "Musterschulen" des 18. Jahrhunderts? Das Pädagogium Regium Halle und das Philanthropin in Dessau im Vergleich (Dissertation)
- Andreas Erb: Die Deutschen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts. Ein Gruppenbild (Habilitation)
- Thomas Grunewald: »Die Balance von Europa« – Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode, das pietistische Adelsnetzwerk und der protestantische Mächteblock im Norden (Dissertation)
- Björn Schmalz: Adel und Hallischer Pietismus im 18. Jahrhundert. Eine Studie zur Glaubenswelt Friedrich Heinrich von Seckendorffs (Dissertation, betreut von Prof. Dr. Thomas Müller-Bahlke)
- Paula Göbel-Lange: Vergessene Jahre. Das Studentenprofil der Universität Halle unter Napoleon 1808–1813 (Masterarbeit)
- Stefan Ihle: Die Zwangsrekrutierung des Studenten Johann Wilhelm Pfau an der Friedrichs-Universität zu Halle. Eine mikrohistorische Studie (Masterarbeit)
- Katharina Prager: Die Organisation sozialer Wohlfahrt um 1800. Eine Verwaltungsgeschichte der Franckeschen Stiftungen zu Halle (Masterarbeit)
- Claudia Weiß: Alchemie und Hallescher Pietismus. Alchemistische Einflüsse auf die Pharmazie der Glauchaschen Anstalten im 18. Jahrhundert (Masterarbeit)
- Paula Göbel-Lange: August Hermann Niemeyer (1754–1828) zwischen Obrigkeit und Institutionen (Dissertation, gefördert vom Landesgraduiertenstipendium Sachsen-Anhalt)
August Hermann Niemeyer (1754–1828) zwischen Obrigkeit und Institutionen
Der Urenkel Franckes und ehemaliger Leiter der Franckeschen Stiftungen sowie Kanzler und Rektor der Universität Halle ist heute vor allem aufgrund seiner Rolle als Aufklärer, Theologe und Pädagoge bekannt. Dabei nahm er in einer von politischen Umbrüchen geprägten Zeit kontinuierlich bedeutende Funktionen ein und stand sowohl unter dem preußischen als auch dem kurzzeitig regierenden König von Westphalen stets in Verbindung zu Amtsträgern der jeweiligen Regierung des Landes.
Anhand verschiedener Quellenbestände in den Franckeschen Stiftungen sowie mehrere Staatsarchive untersuchte das Forschungsprojekt erstmals, wie Niemeyer auf die politischen Veränderungen reagierte. Stellvertretend für eine sich wandelnde bürgerliche Gesellschaft zeigte sich, wie er mehrfach seine Position überdenken und gegebenenfalls eine neue Haltung einnehmen musste, um sich für die Belange der von ihm geleiteten Institutionen einzusetzen. Weiterführend wurde betrachtet, ob die politischen Ereignisse einen Wandel der Mentalität, der Kommunikation und des Selbstverständnisses Niemeyers und seines gebildeten Umfelds hervorriefen.

Lehre
Regelmäßig werden zusammen mit dem Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ein Forschungs- und Absolventenkolloquium sowie Lehrveranstaltungen durchgeführt:
- 2025: Wie gestaltet man eine kulturhistorische Ausstellung? Ein Ausstellungsprojekt zum Königlichen Pädagogium in den Franckeschen Stiftungen.
- 2020: Kranke, Ärzte, Theologen - Die Geburt einer »sanften Medizin« im Halleschen Pietismus?
- 2019: Pietistische Erfahrungsräume: Wir erstellen eine Kabinettausstellung anhand von Selbstzeugnissen aus dem 18. Jahrhundert. Ergebnisse des Seminars wurden auf der Abschlusstagung des DFG-Projekts vorgestellt.
- 2018: Die Lebenswelt der Schüler und Waisen im Jahrhundert von Pietismus und Aufklärung. Die Franckeschen Stiftungen im 18. Jahrhundert.
- 2014/15: Die Causa Christian Wolff. Ein epochemachender Skandal und seine Hintergründe. Aus dem Seminar ist eine Kabinettausstellung mit Begleitpublikation in der Reihe »Kleine Schriften« im Verlag der Franckeschen Stiftungen entstanden.
- 2012/13: FranckeBilder und Festkultur. Jubiläen von der Aufklärung bis in die DDR. Aus dem Seminar ist eine Kabinettausstellung mit Begleitpublikation in der Reihe »Kleine Schriften« im Verlag der Franckeschen Stiftungen entstanden.

