Umstrittene Taufe

Kontroversen im Kontext von Theologie, Philosophie und Politik (1750–1800)

Coverabbildung der Halleschen Forschungen Band 64 Umstrittene Taufe
Thea Sumalvico

Erscheinungsdatum: 10/2022

Erscheinungsort: Halle

Umfang: XVII, 575 S.

ISBN: 978-3-447-11910-8

Hallesche Forschungen (64)
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74,00 €

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden heftige Debatten um die Taufe geführt. Diese Debatten öffnen ein Fenster zu zentralen philosophischen und theologischen Streitpunkten dieser Zeit und werden in der vorliegenden Studie anhand von Streitschriften, Dogmatiken, Lexika und Zeitschriften nachgezeichnet.
Verhandelt wurde insbesondere die Wirksamkeit der Taufe: Ist sie als Gnadenmittel zu verstehen oder als Initiationsritus in die kirchliche Gemeinschaft? Transformationen in Rechtfertigungs- und Erbsündenlehre führten dabei in vielen Fällen zur Infragestellung der Heilsrelevanz der Taufe. Die strikte Trennung zwischen Geister- und Körperwelt, die sich insbesondere aus der Leibniz-Wolffschen Philosophie ergab, ließ unmittelbare Wirkungen Gottes zunehmend nicht mehr plausibel erscheinen. Dies galt auch für Wirkungen von Teufel und Dämonen, was zu umfassenden Diskussionen um den Taufexorzismus führte. Die Taufe wurde entsprechend häufig umgedeutet, damit ging aber nicht unbedingt ein Bedeutungsverlust einher: Als Eintritt in die Institution Kirche behielt sie Gewicht. Die Praxis der Taufe war stets auch mit politischen Fragen verknüpft, da mit ihr auch die Zusage bürgerlicher Rechte verbunden war, was insbesondere in Debatten um Judenkonversion und -emanzipation ersichtlich wird. Von einer in sich kohärenten, aufklärerischen Tauftheologie kann dabei nicht gesprochen werden. Was Taufe bedeutet, wird verhandelt und bleibt umstritten.