Schreiben im Netzwerk

Briefe von Frauen als Praktiken frommer Selbst-Bildung im frühen Quedlinburger Pietismus

Coverabbildung der Halleschen Forschungen Band 50 Schreiben im Netzwerk
Katja Lißmann

Erscheinungsdatum: 04/2019

Erscheinungsort: Halle

Umfang: X, 456 S., 3 Abb.

ISBN: 978-3-447-11079-2

Hallesche Forschungen (50)
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64,00 €

Der pietistische Fokus auf die individuelle Gottesbeziehung gewichtete das fromme Selbst im Verhältnis zu gesellschaftlichen Konstruktionen wie Standes- und Geschlechterkonstellationen neu. In Auseinandersetzung mit aktuellen historisch-praxeologischen Ansätzen und unter einer konsequenten Netzwerkperspektive untersucht die im Schnittfeld von historischer Bildungs- und genderorientierter Pietismusforschung angesiedelte Studie die Briefe zweier Frauen der Quedlinburger pietistischen Bewegung (1691–1703) als Praktiken frommer Selbst-Bildung. 

Eine zentrale Rolle spielte dabei das Konzept des Wachstums der Neuen Kreatur im Menschen, das gelesen werden kann als potentiell unabschließbarer, individuell zu vollziehender Bildungsweg. Sophia Maria von Stammer, geb. von Selmnitz († 1705), und Anna Magdalena Francke, geb. von Wurm (1670–1734), nahmen das pietistische Programm schreibend beim Wort, erarbeiteten sich im Vollzug ihrer frommen Praxis einen eigenständigen religiösen Subjektstatus und trugen auf diese Weise zur Dynamisierung geschlechtsspezifischer Möglichkeitsräume bei. Eingebettet ist die Briefanalyse in eine mikrohistorische Rekonstruktion der Quedlinburger lokalpolitischen Situation um 1700 und des lokalen pietistischen Netzwerks.