Politik für das Reich Gottes?
Der Reichsgraf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode zwischen Pietismus, adligem Selbstverständnis und europ. Politik

Erscheinungsdatum: 11/2020
Erscheinungsort: Halle
Umfang: XII, 452 S., 16 Abb., 2 Tab.
ISBN: 978-3-447-11480-6
Hallesche Forschungen (58)
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72,00 €
Die Bedeutung des hohen, regierenden Adels für die Konsolidierung und Ausweitung des Halleschen Pietismus ist von der Forschung umfangreich beschrieben worden. Warum sich jedoch der hohe Reichsadel mit dem Pietismus verband, ist bisher mit dem vermeintlichen politischen Macht- und Einflussverlust im 18. Jahrhundert, einem darauf folgenden Rückzug aus der Welt und der Suche nach einem neuen Sinn erklärt worden.
Demgegenüber argumentiert die vorliegende Studie am Beispiel des Reichsgrafen Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerodes (1691–1771), dass die Hinwendung des Reichsadels zum Pietismus der Legitimierung der eigenen Herrschaft und der Ausweitung der politischen Handlungsspielräume diente. So nutzte der Wernigeröder Graf geschickt seine familiären und pietistischen Netzwerke, um in den 1730er Jahren eine große protestantische Allianz, bestehend aus Dänemark, England-Hannover und Preußen zu schaffen. Dabei wird analysiert, wie der politisch eigentlich unbedeutende Reichsgraf adliges Standesbewusstsein mit pietistischem Lebenswandel verband, um auf höchster diplomatischer Ebene agieren zu können. Außerdem wird dargelegt, wie sich diese Verbindung in der pietistisch überformten Baupolitik des Reichsgrafen in Wernigerode materialisierte und welche Symbolkraft sich daraus entwickelte.
