Gebaute Utopien
Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe

Erscheinungsdatum: 05/2010
Erscheinungsort: Halle
Umfang: 264 S., 203 Abb.
ISBN: 978-3-447-06336-4
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Ideale Stadtvorstellungen prägten die Architektur der Frühen Neuzeit maßgeblich. Manche Ideen zur Verbesserung des städtischen Lebens, die auch in Utopien entworfen worden sind, blieben Konzept, manche wurden verwirklicht. Im Jahr 1698 legte der Theologe August Hermann Francke (1663–1727) vor den Toren der Stadt Halle den Grundstein für eine Schulstadt, die auf den Vorstellungen der pietistischen Gesellschaftsreform basierte. Das Bauensemble umfasste bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Waisenhaus von schlossartiger Dimension, mehrere Schulen, eine Bibliothek, eine Druckerei, ein Krankenhaus sowie spezialisierte Wirtschafts- und Funktionsgebäude. Das Modell der Schulstadt strahlte bald europaweit aus. Religiöse Siedlungen sowie Stadtneugründungen in Deutschland, Skandinavien, West- und Osteuropa, Südindien und an der Ostküste Nordamerikas wurden von der Gesamtanlage der heutigen Franckeschen Stiftungen mitgeprägt.
Für die Jahresausstellung 2010 wurde intensiv in Archiven und Bibliotheken recherchiert, Erstaunliches gefunden. Anschaulich wird nachgezeichnet, wie Architekturtheorie, utopische, pietistische und politische Entwürfe sowie reale und alltägliche Lebensbedürfnisse zusammen das Besondere der Schulstadtarchitektur begründeten. Auf faszinierende Weise wird so die untrennbare Wechselbeziehung von Architektur, Gesellschaft und Leben beschrieben. Eben dieser Zusammenhang bestimmte auch den Umgang mit der Schulstadt in der Moderne: Die Enteignung im Jahr 1946 läutete erstmals in der Geschichte der Schulstadt einen unverantwortlichen Verfall des Gebäudeensembles ein. Der Abriss der Waisenhausmauer und der Bau der Hochstraße schadeten dem historischen Ensemble nachhaltig. Auch darüber, wie in der DDR mit dem Erbe der Stiftungen umgegangen wurde, gibt dieser Katalog anhand neuester Forschungsergebnisse erstmals genauer Auskunft.
