August Hermann Francke über den Streit mit Christian Wolff
Die paränetische Vorlesung vom 18. November 1723

Erscheinungsdatum: 12.2022
Erscheinungsort: Halle
Umfang: 28 S., 3 farb. Abb.
ISBN: 978-3-939922-74-2
Kleine Texte (Heft 22)
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3,50 €
Im Herbst 1723 wurde Christian Wolff (1679–1754) auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (1688–1740) des Landes verwiesen. Damit hatte ein mehrere Jahre zwischen Wolff und der theologischen Fakultät der Universität Halle schwelender Konflikt seinen Höhepunkt erreicht. Allerdings überraschte die Drastik der königlichen Weisung alle Beteiligten – Wolff habe »bey Stafe des Stranges« binnen 48 Stunden Preußen zu verlassen – und brachte die Theologen unter Rechtfertigungsdruck.
Auf diesen Druck reagierte August Hermann Francke (1663–1727) in seiner nur fünf Tage nach Wolffs Flucht gehaltenen paränetischen Vorlesung. In der Regel dienten diese wöchentlich abgehaltenen Vorlesungen zur Erteilung von Ratschlägen und Mahnungen rund um die Studienorganisation, die ›wahre‹ Bekehrung und die Lebensführung der Theologiestudenten. Hinzu kam die Auslegung und Anwendung von Bibelstellen und theologischen Schriften. Aber neben diesem festen Repertoire nutzte Francke die Veranstaltung auch immer wieder für tagesaktuelle Themen. Und so behandelte er am 18. November 1723 allein den Konflikt um Wolff in seiner Vorlesung. Er stellte das Handeln der Fakultät als Beispiel dafür dar, wie die Studenten sich künftig in ihrem geistlichen Amt bei aufkommenden Konflikten verhalten sollten, nämlich passiv und allein dem göttlichen Fingerzeig folgend, denn er deutete die Vertreibung des Philosophen als sichtbares Zeichen des göttlichen Willens. Dabei ist es Francke gelungen, die ganze Vorlesung über die Causa Wolff zu halten, ohne dessen Namen auch nur ein einziges Mal zu erwähnen. Aber schließlich wusste ja jeder Anwesende, was »in dieser Woche [...] besonders vorgegangen« war.
Weitere Publikationen zu diesem Thema:
Die Causa Christian Wolff. Ein epochemachender Skandal und seine Hintergründe. Hg. v. Andreas Pečar, Holger Zaunstöck u. Thomas Müller-Bahlke. 2., aktual. Aufl. Halle 2022 (Kleine Schriftenreihe der Franckeschen Stiftungen, 15)
