tief verwurzelt – hoch hinaus

Die Baukunst der Franckeschen Stiftungen als Sozial- und Bildungsarchitektur des protestantischen Barock

Coverabbildung des Ausstellungskataloges Bd. 33 tief verwurzelt – hoch hinaus. strong roots – inspiring vision
Hg. v. den Franckeschen Stiftungen

Erscheinungsdatum: 09/2015

Erscheinungsort: Halle

Umfang: 264 S. (dt./engl.), 106 Abb.

ISBN: 978-3-447-10458-6

Ausstellungskataloge (33)
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28,00 €

Die Franckeschen Stiftungen zu Halle sind das sichtbare Zeugnis der umfassenden sozialen und pädagogischen Reformen, mit denen August Hermann Francke (1663–1727) vor mehr als dreihundert Jahren gesellschaftliche Veränderungen einleitete, die bereits zu seinen Lebzeiten breite Wirkung entfalteten und bis heute spürbar sind. Die Bewerbung der Franckeschen Stiftungen um die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste hat zu einer systematischen und sehr intensiven wissenschaftlichen Beschäftigung mit ihrer vollständig erhaltenen Sozial- und Bildungsarchitektur des 18. Jahrhunderts geführt, die das Kernensemble der Stiftungen in seiner Einzigartigkeit bis heute unverändert ausmacht.
Der vorliegende Ausstellungskatalog illustriert die aus der Bewerbung gewonnenen neuen Erkenntnisse über die Stiftungen insbesondere zu ihrer Baugeschichte und den ideen- und kulturgeschichtlichen Bedingungsfeldern. Neben einer ausführlichen Einleitung zu den Bauten der Stiftungen im Kontext der Zeit um 1700 geben kurze, aber anschaulich unterlegte Kapitel Einblicke in spezielle Aspekte der Baukunst der Franckeschen Stiftungen: das Fachwerk, die Mansarddächer, die Fassade des Waisenhauses, die Gesamtarchitektur und ihre Bewohner. Zwei weitere Kurzkapitel stellen andere, bedeutende Zweckarchitekturen und die Ausstrahlung des Halleschen Waisenhauses sowie die Beispielhaftigkeit der Stiftungen für ein bis in die Moderne reichendes Stilprinzip der Architektur – die ausgesprochene Funktionalität der Gebäude – vor.
Erstmals sind in diesem Katalog auch die fachlichen Gutachten, die eine wesentliche Grundlage für den UNESCO-Bewerbungsantrag der Stiftungen bilden, vollständig abgedruckt und mit modernen Architekturfotografien vom Ensemble von Uwe Gaasch kursorisch unterlegt. Die Gutachten behandeln neben den baugeschichtlichen Gesichtspunkten alle weiteren herausragenden Belange zur Kultur- und Wirkungsgeschichte der Stiftungen und bieten dadurch wichtige Impulse für weiterführende Forschungsprojekte.
Die Arbeiten legen nahe, dass es sich beim Waisenhaus in Halle sowie der gesamten Anlage der Franckeschen Stiftungen um eine im nationalen und internationalen Vergleich im Barock tatsächlich singuläre Architektur handelt, die so vorher nicht nachweisbar ist. Hier wurde eine neue Formensprache öffentlich-repräsentativen Bauens entwickelt, die fundamentale gesellschaftliche Aufgaben – Sozialfürsorge, Erziehung, Bildung, Frömmigkeit – in einen räumlichen Gesamtzusammenhang stellt. Zudem kamen dabei neue und auch aufwendige bautechnologische sowie gestalterische Methoden und Ansätze zur Anwendung. Somit öffnet der Ausstellungskatalog den Blick auf Sozialfürsorgebauten im 17. und 18. Jahrhundert und versucht, dieses bislang wenig beachtete Arbeitsfeld im Schatten der Barockforschung und Gesellschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit stärker in den Fokus zu nehmen und Anknüpfungspunkte für eine vergleichende internationale Forschung zur Fürsorge- und Bildungsarchitektur in der Vormodern zu liefern.
So gewährt der Katalog sowohl dem interessierten Laien als auch dem versierten Forschenden durchaus neue, spannende Einblick in die Franckeschen Stiftungen.

Der Katalog erscheint zweisprachig deutsch und englisch.