»Mit göttlicher Güte geadelt«
Adel und Hallescher Pietismus im Spiegel der fürstlichen Sammlungen Stolberg-Wernigerode

Erscheinungsdatum: 10/2014
Erscheinungsort: Halle
Umfang: 160 S., 128 Abb.
ISBN: 978-3-447-10256-8
Ausstellungskataloge (31)
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24,00 €
Die Welt des hohen Adels im 18. Jahrhundert und die des Pietismus: prunkvolle Repräsentanz und sprichwörtliche Schlichtheit. Kann es da Gemeinsames geben? Der Katalog zur Jahresausstellung 2014 der Franckeschen Stiftungen widmet sich dem bisher kaum erforschten und äußerst vielfältigen Beziehungsgeflecht von Adel und Pietismus und stellt die Frage nach einem Typus des adligen Pietisten.
Basierend auf der Sammlung der fürstlichen Familie Stolberg-Wernigerode zeigt die Ausstellung die Ambiguität der Lebenswelt des Grafen Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1691–1771) und seiner Familie zwischen barocker Prachtentfaltung und tiefer Religiosität im pietistischen Sinne. In dem wissenschaftlichen Begleitkatalog nähern sich die Autorinnen und Autoren dieser Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln an und entwerfen so ein breitgefächertes Panorama adliger Kultur und christlicher Lebensführung, in dem Überraschendes und Unerwartetes zu Tage gefördert wird.
Einem Überblick über Vielfalt und Entwicklung des Adels im mitteldeutschen Raum folgt eine Studie über die vielschichtigen Allianzsysteme und politischen Strategien einer der interessantesten und bislang wenig beachteten Gruppen innerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation – den Reichsgrafen. Hieran schließt sich ein dezidierter Blick auf die Grafschaft Wernigerode unter dem Ehepaar Christian Ernst und Sophie Charlotte (1695– 1762) an, die den Pietismus in ihrem Territorium einführten und ihn mit einem sozialreformerischen Programm verbanden. Dass das Beziehungsgeflecht von Adel und Pietismus einen Einfluss entwickelte, der weit über den mitteldeutschen Raum hinausreichte, zeigen die nächsten beiden Beiträge nachdrücklich auf. So werden zunächst die pietistischen Verbindungen ins Königreich Dänemark und die immense Bedeutung der dorthin vermittelten pietistischen Adligen am Hof näher beleuchtet. Im folgenden Beitrag wird die bemerkenswerte politische Allianz von Adel und Pietismus zur Unterstützung des Protestantismus in Schlesien in den Blickpunkt gerückt. Den Katalog abschließen wird eine Untersuchung über das Projekt der pietistischen Adelserziehung im Königlichen Pädagogium in den Franckeschen Stiftungen, welches die enge Beziehung von adliger und pietistischer Lebenswelt noch einmal symbolisch betont.
