Gefühl und Norm
Religion und Gefühlskulturen im 18. Jahrhundert

Erscheinungsdatum: 10/2021
Erscheinungsort: Halle
Umfang: 2 Bände, XXIV, 692 S., 39 Abb., 3 Tabellen
ISBN: 978-3-447-11702-9
Hallesche Forschungen (61, 1+2)
Alle Titel dieser Reihe
122,00 €
Gefühle in ihrer unterschiedlichen Ausprägung und Performanz spiegeln soziale und kulturelle Normen und Werte und werden ihrerseits von diesen geformt und gespiegelt. Als Grundlage menschlichen Erlebens und Erfahrens haben sie für die Erforschung sozialer Realität hohe und beständige Relevanz.
Auf dieser Einsicht des emotional turn aufbauend fokussiert der Sammelband die Frage, welche Rolle Religion als gestaltetes und gestaltendes Element in der Spannung von Norm und Gefühl im langen 18. Jahrhundert zukommt. Mit ›Pietismus‹ wird dabei eine vielgestaltige vornehmlich frömmigkeitliche, aber auch sozial reformerische Bewegung greifbar, die – nach Ansicht der Zeitgenossen wie der Forschung – wesentlich um einen hochtemperierten emotionalen Kern herum organisiert gewesen sein soll. Damit wird eine schon in den 1690er Jahren von lutherisch- und reformiert-orthodoxer sowie von aufklärerischer Seite kolportierte Meistererzählung über einen gefühlsintensiven Pietismus prolongiert, der Verstand und Gelehrsamkeit abgeneigt gewesen sei.
Der hier vorliegende Sammelband mit den Beiträgen zum V. Internationalen Pietismuskongress hat sich zur Aufgabe gemacht, diese pejorativen historischen wie jüngeren wissenschaftlichen Fest- und Zuschreibungen aus der Perspektive des Verhältnisses von Gefühl und Norm kritisch zu befragen. Die 45 Beiträge analysieren Gefühlswelten in ihren religiösen Kontexten und nehmen dazu eine interdisziplinäre Perspektive auf das wechselseitige Bedingungs- und Konstituierungsverhältnis von Gefühl und Norm ein. Zentral sind dabei die vielfältigen Aushandlungs- und Organisationsprozesse sowie die lebensweltliche Dimension dieses Verhältnisses von einzelnen Akteuren und von Gemeinschaften. Die Pietismusforschung findet in diesem Band Anschluss an die aktuelle Emotionsforschung und zugleich wird die Unverzichtbarkeit der Pietismusforschung für eine umfassende history of emotions im Rahmen der Erforschung des langen 18. Jahrhunderts deutlich.
