»Aus Gottes Wort und eigener Erfahrung gezeiget«

Erfahrung – Glauben, Erkennen und Handeln im Pietismus. Beiträge zum III. Intern. Kongress für Pietismusforschung 2009

Coverabbildung der Halleschen Forschungen Band 33/1 Aus Gottes Wort und eigener Erfahrung gezeiget
Hg. v. Christian Soboth, Udo Sträter in Verb. mit Harmut Lehmann, Thomas Müller-Bahlke, Johannes Wallmann

Erscheinungsdatum: 11/2012

Erscheinungsort: Halle

Umfang: 2 Bände, XXV, 933 S., 44 Abb.

ISBN: 978-3-447-06800-0

Hallesche Forschungen (33, 1+2)
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124,00 €

Die Beiträge des Tagungsbandes bestimmen in internationaler und interdisziplinärer Perspektive den entscheidenden Anteil, den der Pietismus in seinen regional-territorialen Ausprägungen daran hatte, dass das Jahrhundert der Aufklärung auch als Jahrhundert der Erfahrung betrachtet werden kann. 
Über seine Kernbereiche einer religiös-frommen und sozialreformerischen Erneuerung hinaus hat der Pietismus als neben der Aufklärung kulturgeschichtlich prägende Wirkmacht die persönliche Erfahrung zu einer orientierenden Leitkategorie geformt. Für Theologie und Frömmigkeitspraxis, Wissenschaft und Kunst, aber auch für die Bewältigung des Alltags ist die eigene Erfahrung vom Pietismus als verlässlicher Orientierungswert reflektiert und eingesetzt worden. Ergänzend, mitunter auch konkurrierend ist die Erfahrung ins Verhältnis zu dem in der Bibel offenbaren Gott gesetzt worden; als Element christlicher Klugheit hat sie auch in pädagogischer Theoriebildung und Praxis vernünftig-aufklärerische Funktionen angenommen. Für die literarische, musikalische und bildkünstlerisch-architektonische Kultur hat sie individualisierende und subjektivierende Akzente gesetzt. Erfahrung hat der kritischen Sichtung autoritativer Traditionen gedient, und zugleich ist sie zu einer legitimatorischen Instanz avanciert. An theologisch- oder pädagogisch-pietistischen Theoriebildungen zur Konzeptionierung und Systematisierung von Erfahrung wird zudem erneut deutlich, dass Pietismus und Aufklärung neben den von der Forschung lange überbetonten Differenzen auch augenfällige Kongruenzen aufweisen.