»Gottes furcht« und »honnêteté«
Die Erziehungsinstruktionen für Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg-Preußen durch A. H. Francke und G. W. Leibniz

Release date: 07.2016
Place of publication: Halle
Total pages: VI, 101 p., 3 images
ISBN: 978-3-447-10602-3
Hallesche Quellenpublikationen und Repertorien (14)
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In der Preußen- und Pietismusforschung ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt, dass an der Erziehung Friedrich Wilhelms I. von Preußen (1688–1740) zwei der wichtigsten Impulsgeber des späten 17. Jahrhunderts mitwirkten: August Hermann Francke (1663–1727) und Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) schufen ein Erziehungsprogramm, das pietistische Pädagogik und aufgeklärte Prinzenerziehung vereinigt. Die vorliegende Quellenedition auf der Basis von Archivalien der Franckeschen Stiftungen und des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz (Berlin) kommt zu einer Neubewertung auf der Basis der zwischen 1662 und 1718 abgefassten brandenburgisch-preußischen Instruktionen zur Prinzenerziehung. Zunächst belegt der Erziehungsentwurf Franckes, dass die ‚Symbiose‘ von Preußen und Pietismus auf 1694 vorzudatieren ist; sodann erweist sich Franckes Entwurf im Vergleich zum Entwurf Leibnizʼ als deutlich prägender für die endgültige Ausarbeitung der höfischen Erziehungsinstruktionen, in der der Berliner Geheimrat Paul von Fuchs (1640–1704) die beiden unterschiedlichen Entwürfe verschmilzt. Darüber hinaus behält die Erziehungsinstruktion von 1694 in abgewandelter Form noch Gültigkeit für die Erziehung Friedrichs II. von Preußen (1712–1786).
Nicht zuletzt dokumentiert die Edition auch den Konflikt zwischen Sophie Charlotte von Hannover (1668–1705), die mit Leibniz das höfische Erziehungsideal in Brandenburg-Preußen implementieren will, und Friedrich III. von Brandenburg (1657–1713), der den hergebrachten Erziehungsinstruktionen seines Hauses mehr Gewicht beimisst.
Since the mid-20th century, research into Prussia and Pietism has revealed that two of the most important intellectuals of the late 17th century were involved in the education of Frederick William I of Prussia (1688–1740): August Hermann Francke (1663–1727) and Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) created an educational program that combined Pietist pedagogy with an enlightened princely education. This edition of sources, based on archival materials from the Francke Foundations and the Prussian Cultural Heritage Foundation (Berlin), offers a reassessment based on the Brandenburg-Prussian instructions for princely education written between 1662 and 1718. First, Francke's educational plan proves that the ‘symbiosis’ of Prussia and Pietism can be dated back to 1694; then, in comparison to Leibniz's draft, Francke's draft proves to be significantly more influential in the final elaboration of the court's educational instructions, in which Berlin Privy Councilor Paul von Fuchs (1640–1704) merges the two different drafts. Furthermore, the educational instructions of 1694 remain valid in modified form for the education of Frederick II of Prussia (1712–1786).
